Ein Abstecher nach Brunei Darussalam (Februar 2002)

Die Ankunft in Brunei (auf dem Weg vom Kontinentalteil Malaysias nach Sabah) war etwas befremdlich - so ziemlich alles was ich über Brunei wußte
war, daß es ein Öl-Sultanat ist und es nur wenige Besucher im Land gibt. Die Leute in Brunei müssen keinerlei Steuern zahlen,
medizinische Versorgung und Bildung sind kostenlos für jedermann, und es gibt angeblich sogar staatliche Unterstützung beim
Kauf eines Autos - bezahlt vom Öl.
Der Wohlstand des Landes lies sich recht schnell am Preisgefüge feststellen - da wir kurz nach Mitternacht ankamen, bestand die
einzige Möglichkeit in die Haupstadt Bandar Seri Begawan (60.000 Einwohner) zu gelangen in einem Taxi. In Anbetracht des Preises,
30 Brunei Dollar oder 20 Euro für ca. 7km, kam ich mir vor wie daheim in Deutschland... Desweiteren gibt es in ganz Brunei
nur eine einzige Jugendherberge, welche in der Haupstadt zu finden ist. Möchte man hier unterkommen, sollte man aber eher ankommen
- die Herberge ist nach Mitternacht geschlossen.

Für ein normales Hotel muß man mindestens 50B$ für ein Doppelzimmer einplanen, allerdings sollte man auf keinen Fall
vergessen etwas zu Feilschen. Brunei ist damit selbst im Vergleich zum malayischen Bundesstaat Sabah teuer, aber zumindest Essen ist
recht preiswert und es ist kein Problem, für 3 satt zu werden. Möchte man sich selbst versorgen, bieten sich die Märkte
an (auch hier gilt aber: der Preis ist Verhandlungssache), es existieren aber auch staatliche Kaufhäuser mit festen Preisen.
Was aber nirgendwo zu haben ist, ist Alkohol in welcher Form auch immer - Brunei ist ein muslimisches Land mit islamischem Recht.
Der offizielle Name, Brunei Darussalam, übersetzt sich zu 'Brunei - Land des Friedens'. Und in der Tat ist Brunei ein ausgesprochen
friedlicher Platz, andererseits existiert praktisch kein Nachtleben, selbst die Restaurants schließen größtenteils um 21.00 Uhr...
Die Brunesen (größtenteils Malayen, gefolgt von Chinesen und Indern) selbst sind ausgesprochen freundlich.

Der öffentliche Verkehr stoppt um 6 Uhr abends (womit wir nicht rechneten), und somit blieb uns für die Rückkehr in die Hauptstadt nur
das Fortbewegen per Anhalter - aber wir mußten nicht lange warten, bis wir von einem Trupp Mechaniker in einem Pick-Up mitgenommen
und obendrein mit uns bis dato unbekannten Fröüchten versorgt wurden. Oder aber, man erwischt den letzten Bus Richtung BSB,
und da wir die einzigen Fahrgäste waren wurden wir trotz eigentlich ganz anderer Fahrroute direkt vor dem Hotel abgeliefert...
Generell ist der üöffentliche Verkehr billig und, zumindest um BSB herum, gut organisiert. Für die Weiterreise nach Sabah
ist das Schnellboot von Muara im Norden die beste Möglichkeit - der Expressbus zum Hafen faährt ca. 75min bevor die Fähre ablegt.

Die neue Touristeninformation, welche unweit der Hauptpost in BSB zu finden ist, verfügt über die Fahrpläne der
Schnellboote nach Labuan und Lawas, hilfreich sind auch weitere Informationen und natürlich Land- und Stadtkarten.
Die meisten sehenswerten Dinge finden sich in oder in Nähe der Hauptstadt, am interessantesten sind die Omar Ali Saifuddien Moschee
und die Wasserstadt (Kampung Ayer) - ein Dorf erbaut auf Stelzen entlang des Brunei Rivers wo die Hälfte der Hauptstadteinwohner
lebt. Ein schöner Platz zum Umherlaufen und mit den Leuten in Kontakt zu kommen.
Weiterhin gibt es noch ein paar Museen - wovon das seiner Majestät, dem Sultan von Brunei, gewidmete sicherlich das
kurioseste ist. Mich erinnerte es doch stark an unsere vergangenen sozialistischen Fäührungspersönlichkeiten,
welche sich ebenfalls ihre eigenen Denkmäler setzten...

Aber zumindest teilt der Sultan von Brunei seinen Reichtum mit seinem Volk und beweist durchaus Verstand, eine Wirtschaft gut am Laufen zu halten.
Natürlich ist er andererseits von Kritik an seiner Person nicht begeistert...weiterhin gehört er immer noch zu den reichsten
Leuten der Welt. Eine direkt vom Sultan geschaffene Attraktion - für Leute, die sowas mögen - ist der Vergügungspark Jerudong,
ein Geschenk seiner Majestät an sein Volk.
Zugegebenermaßen ist die Anlage für die Größe des Landes
überdimensioniert und wirkte bei unserem Besuch irgendwie leer. Wenigstens muß man sich so nirgendwo anstellen...
Brunei besteht aus zwei Landesteilen, welche durch ein schmales Stück zum malayischen Bundesstaat Sarawak gehüörenden
Landes getrennt sind. Um den östlichen Teil zu erreichen, nimmt man von BSB ein Boot nach Bangar, welches ungefähr 45 Minuten
braucht. Die Fahrt führt zunächst entlang des Flusses, umrahmt vom Dschungel, und schließlich ein Stück übers offene
Meer und ist durchaus interessant, mit etwas Glück bekommt man sogar ein paar Krokodile zu sehen.
Der östliche Landesteil ist größtenteils, wie weite Teile Borneos, vom Dschungel bedeckt. Hier unternahmen wir
eine kurze Wanderung zu einem niedrigen Gipfel unweit Bangars, zum Ausgangspunkt der Wanderung gelangt man mit einem Taxi für ca. 25B$.
Insgesamt ein schöner Weg über die charakteristischen auf Pfählen angelegten Wanderwege mit einem schönen Blick
vom Gipfel. Natürlich gibt es solche Wanderwege überall auf Borneo, aber wenn man schon in Bangar ist, gibt es nicht viel
mehr zu tun.
Brunei ist aufgrund seiner Unterschiede zu den anderen Ländern in der Region und der ausgeprochen freundlichen Menschen interessant.
Wenn es auf dem Weg liegt und der Geldbeutel es erlaubt, sollte man vier oder mehr Tage einplanen, um sich etwas umzusehen.
Allerdings macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, nur wegen Brunei allein anzureisen - es sei denn, man hat seinen Wohnsitz in
Südostasien.
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